Bei der Wahl eines Rechenwerkzeugs entscheiden zwei Fragen, die keine Funktionsliste beantwortet: Was genau wird berechnet, und wo hört das Werkzeug auf. Beides steht unten, samt den Normen hinter den Zahlen und den Formaten, die am Ende herauskommen. Die Bedienung ist ein eigenes Dokument, die Anleitung.
Um was für ein Werkzeug es sich handelt
PsychroView ist ein Psychrometrie-Rechner für stationäre Zustände mit interaktivem Diagramm. Sie geben einen Luftzustand vor, hängen Aufbereitungsprozesse daran, und die Anwendung löst jeden Schritt, trägt ihn in das Mollier-h-x- oder das Carrier- Diagramm ein und weist die zugehörigen Energie- und Massenströme aus.
Die Arbeitseinheit ist eine Kette: Außenluft tritt an einem Ende ein, durchläuft Wärmerückgewinnung, Erhitzer, Befeuchter und was die Auslegung sonst verlangt, und erreicht den Raum. Jeder Knoten trägt einen vollständigen Satz Zustandsgrößen — Temperatur, Wassergehalt, [relative Feuchte](/de/lexikon/relative- luftfeuchtigkeit/), Enthalpie, Taupunkt, Feuchtkugeltemperatur, spezifisches Volumen und Dichte.
Das Wort „stationär” entscheidet die meisten Vergleiche. Die Anwendung löst nämlich Auslegungszustände, nicht ein Betriebsjahr, und sie löst die Luft, nicht das Gebäude darum herum. Lasten sind Eingabe der Rechnung, niemals ihr Ergebnis.
Luftaufbereitungsprozesse
Dreizehn Prozesse stehen zur Verfügung. Jeder übernimmt den Austrittszustand des vorherigen Knotens als Eintritt, sodass eine Kette beliebiger Länge konsistent bleibt.
| Prozess | Was berechnet wird | Haupteingabe |
|---|---|---|
| Luftzustand | Startzustand der Kette aus jedem gültigen Größenpaar | zwei aus , , , , , |
| Lufterwärmung | Sensible Erwärmung bei konstantem Wassergehalt und die Erhitzerleistung | Austrittstemperatur oder Leistung |
| Kühlung mit Entfeuchtung | Kühlung mit Kondensation, Kühlflächentaupunkt (ADP), Bypass-Faktor (BF), Kondensatmenge und SHR | Austrittszustand, Leistung oder Temperaturen des Kreislaufmediums |
| Wärmerückgewinnung | Sensible — bei Enthalpierädern auch latente — Übertragung zwischen Ab- und Zuluft samt Wirkungsgrad | Wirkungsgrad oder Austrittstemperatur |
| Adiabate Kühlung | Verdunstungskühlung entlang konstanter Enthalpie samt Sättigungswirkungsgrad | Sättigungswirkungsgrad oder Austrittszustand |
| Wärmelast | Innere sensible Gewinne aus Personen, Beleuchtung und Geräten, bei konstantem Wassergehalt aufgebracht | Wärmeeintrag [kW] |
| Wärmeverlust | Trockener sensibler Verlust über die Hülle, mit Warnung, wenn der Austritt unter den Eintritts-Taupunkt fällt | Leistung [kW] |
| Luftbefeuchtung | Wasser (adiabat), Nassdampf oder Sattdampf samt Wasser- bzw. Dampfmenge | Austrittsfeuchte oder Volumenstrom |
| Feuchtelast | In den Raum abgegebene Feuchte, bei konstanter Temperatur aufgebracht | Feuchteproduktion [g/h] |
| Sorptionstrocknung | Entfeuchtung über ein Sorbens ohne Kondensation samt der begleitenden Erwärmung | Austritts-Wassergehalt |
| Mischung 2 Ströme | Resultierender Zustand zweier gemischter Ströme, nach Massenstrom gewichtet | Volumenströme und beide Eintrittszustände |
| Mischung 3 Ströme | Dasselbe für drei Ströme | Volumenströme und drei Eintrittszustände |
| Stromteilung | Aufteilen eines Stroms in zwei Zweige, die anschließend getrennt behandelt werden | Teilungsverhältnis oder Zweigvolumenstrom |
Teilung und Mischung bilden ein Paar; genau das ermöglicht Umluftbetrieb: einen Teil der Abluft abzweigen, der Außenluft beimischen und das Ergebnis weiter aufbereiten.
Raumbilanz-Solver
Drei Prozesskarten enthalten deterministische Solver. Sie rechnen rückwärts: vom gewünschten Raumzustand zum Zuluftzustand und zur nötigen Geräteleistung, ohne manuelles Iterieren.
- Raumlast-Solver (Kühlung). Aus dem Zielband für den Raum, der Wärmelast (gesamt oder aufgeteilt in sensibel und latent), der Feuchteproduktion, dem zulässigen ΔT zwischen Zuluft und Raum und dem Temperaturbereich des Kreislaufmediums ergeben sich der erforderliche Zuluftzustand, die Spreizung /, die Kälteleistung, das Kondensat, die SHR und eine etwaige Nachheizung.
- Raumbilanz-Solver (Heizung). Aus Wärmeverlust, Feuchteproduktion und Zielband ergeben sich Zuluftzustand, Erhitzerleistung und eine etwaige Befeuchtung samt Dampf- oder Wassermenge.
- Erwärmen und befeuchten. Aus Zieltemperatur und relativer Feuchte ergeben sich Erhitzerleistung, Dampfmenge und der Zwischenzustand nach der Erwärmung.
Ist die Vorgabe physikalisch unmöglich — Sättigung überschritten, Volumenstrom zu klein, ein Kreislaufmedium, das den nötigen Kühlflächentaupunkt nicht erreicht — sagt der Solver das im Klartext und schlägt vor, was zu ändern ist, statt eine Zahl zu liefern, die nur gültig aussieht.
Klimadaten
Außenluft-Auslegungszustände lassen sich aus veröffentlichten Datensätzen übernehmen, statt sie von Hand einzutippen. Winter- und Sommerzustände stehen in mehreren Schärfegraden bereit, samt gleichzeitiger Feuchte oder Enthalpie, wo die Quelle das hergibt.
| Quelle | Abdeckung |
|---|---|
| DWD CDC | Deutschland, Auslegungstemperatur nach DIN/TS 12831-1, zwei Klimaperioden |
| GeoSphere | Österreich, NAT-13 und Sommerperzentile |
| Ortssuche | Weltweit über Open-Meteo-Geokodierung; Perzentile aus JRC PVGIS TMY oder der ERA5-Reanalyse 1994–2023 |
| Postleitzahl (DE) | Zustände der nächstgelegenen DWD-Station |
| EPW-Datei | Eigene EnergyPlus-Weather-Datei — Zustände aus 8 760 Stundenwerten abgeleitet |
| Eigene Daten | JSON- oder CSV-Import mit Prüfung und Vorschau, am Konto gespeichert |
Standorte lassen sich nebeneinander vergleichen: der praktische Weg, um zu sehen, wie stark eine Auslegung vom Ort und wie stark vom Gerät abhängt.
Das Diagramm
Das Diagramm ist die Arbeitsfläche, kein am Ende erzeugtes Bild.
Beide Konventionen stehen bereit: das in Kontinentaleuropa übliche Mollier-h-x- Diagramm und das aus der ASHRAE-Praxis bekannte Carrier-T-x-Diagramm. Es sind dieselben Daten, nur mit vertauschten Achsen. Der Barometerdruck wird ausdrücklich vorgegeben, sodass Berechnungen in Höhenlagen korrekt sind statt näherungsweise auf Meereshöhe. Diagrammbereich, Arbeitszonen, Hilfslinien für SHR und dh/dx, Legende, Infopanel und ein Dunkelmodus sind einstellbar, und Punkte lassen sich direkt im Diagramm ziehen; die Rechnung folgt dem Cursor.
Ausgaben
| Format | Inhalt |
|---|---|
| Mehrseitig A4: Projektkopf mit Diagramm, Übersichtstabelle, detaillierte Prozesstabellen | |
| PNG | Hochauflösendes Rasterbild des Diagramms |
| SVG | Vektordiagramm, in Inkscape oder Illustrator editierbar |
| DXF | CAD-Linienzeichnung für AutoCAD oder BricsCAD |
| XLSX (Beta) | Zahlenwerte aller Prozesse plus Diagramm als Bild |
| DOCX (Beta) | Formatiertes Dokument mit Diagramm und Prozesstabellen |
| HTML (Beta) | Eigenständige Seite mit eingebettetem Diagramm und Tabellen |
| Zwischenablage | Diagramm oder Übersichtstabelle, etwa für eine E-Mail |
| Animation (Beta) | WebM oder GIF mit nacheinander erscheinenden Punkten, für die Lehre |
Leere, unbeschriftete Diagramme zum Ausdrucken gibt es separat auf der Seite Downloads, einschließlich DXF für CAD.
Rechenkern und Normen
Der psychrometrische Kern setzt Kapitel 1 des ASHRAE Handbook — Fundamentals 2021 um, einschließlich der Realgaskorrektur, mit dem Sättigungsdampfdruck nach den Hyland- Wexler-Korrelationen. Jede Größe wurde über den gesamten RLT-Temperaturbereich numerisch mit den ASHRAE-Referenztabellen verglichen; die gemessenen Abweichungen sind auf der Seite ASHRAE-Konformität veröffentlicht.
Alternativ stehen die Konstanten und Korrelationen der tschechischen Fachliteratur bereit, für Arbeiten, die einer nationalen Konvention statt ASHRAE folgen müssen.
Betriebsrahmen
Die Anwendung läuft im Browser, am Rechner wie am Mobilgerät, ohne Installation und ohne Lizenzverwaltung. Rechnen geht auch ohne Konto; ein Konto bringt gespeicherte Projekte, eigene Klimadaten und Freigabelinks. Ein Projekt lässt sich als schreibgeschützter Link veröffentlichen oder als Widget in eine fremde Seite einbetten. Die Oberfläche ist vollständig ins Deutsche, Englische, Französische, Tschechische und Slowakische lokalisiert und wechselt zwischen SI- und I-P-Einheiten.
Was PsychroView nicht tut
Über die Eignung entscheidet diese Liste häufiger als die Funktionsliste darüber.
- Es simuliert kein Betriebsjahr. Die Rechnungen sind stationäre Auslegungspunkte. Keine Stundensimulation, kein Energieverbrauch über eine Saison, kein Teillastverhalten.
- Es berechnet keine Gebäudelasten. Wärmegewinne, Wärmeverlust und Feuchteproduktion geben Sie vor, aus der eigenen Lastberechnung oder einem Fachwerkzeug. Die Anwendung bringt sie auf die Luft auf; sie leitet sie nicht aus Geometrie, Konstruktion oder Belegung ab.
- Es dimensioniert keine Kanäle. Für die in einem Gerät platzierten Komponenten wird der Druckverlust mitgeführt, aber Kanalnetzauslegung, Ventilatorkennlinien-Abgleich und hydraulische Berechnung sind nicht enthalten.
- Es wählt keine Geräte aus Herstellerkatalogen. Sie erhalten Leistung und Zustandspunkte; die Wahl eines konkreten Wärmeübertragers oder Geräts ist ein eigener Schritt.
- Es ist kein CFD-Werkzeug. Luftführung, Geschwindigkeitsfelder und Behaglichkeits- Mapping im Raum liegen außerhalb des Umfangs.
In Entwicklung
Mehrere Module sind gebaut, aber noch nicht freigegeben: der Builder zum visuellen Zusammenstellen eines RLT-Geräts, Autopilot zum automatischen Ableiten einer Prozessfolge, ein Sankey-Diagramm der Energieströme, die Hitzebelastung WBGT, eine Sammlung schneller Rechner und die Behaglichkeitsanalyse PMV/PPD nach ISO 7730, ASHRAE 55 und EN 16798-1. In der Oberfläche sind sie als in Entwicklung gekennzeichnet, man sieht also, was kommt, ohne es für fertig zu halten.